Geländer Novartis Visitor Center, Basel

2004-06, in Zusammenarbeit mit Peter Märkli, Zürich

Als Weiterführung der Ornamentik der Aussenfassade übernimmt das Geländer das Rautenmuster, resp. dessen Grundelement, den Rhombus, als geometrische Grundform. Durch die Übertragung in eine räumliche Figur entsteht als ein unregelmäßiges Oktaeder. Die Ansicht- resp. Schnittzeichnung zeigt eine Figur, die in Anlehnung an klassische Säulen eine Art Schwellung des Säulenschafts aufweist. Im Zusammenhang mit dem darauf ruhenden, schweren Handlaufbrett versetzt die Entasis die Figur in eine Spannung, indem sie gleichzeitig eine statisch aktive und passive Wirkung vermittelt. Im Prinzip besteht das Geländer aus einer Aneinanderreihung dieser gleichen, jeder für sich auf dem Boden stehenden Körpern. Diese einfache, scharf geschnittene geometrische Figur führt in ihrer räumlichen Anordnung innerhalb des Gebäudes zu einer teilweise beinahe organischen Wirkung. Dies wird betont durch die materielle Umsetzung des Gitterstabwerkes in gegossenem Aluminium.

“Das Treppengeländer, (…), bildet einen dominanten Teil des gesamten Innenraums. Es durchbricht und begleitet mit seiner kantigen skulpturalen Präsenz die vertikale Organisation der Geschosse und die horizontalen Flächen aus Marmor oder Holz. Wie das Skelett eines vorzeitlichen Tiers windet es sich in die Höhe, wirkt in diesem Sinn organisch, auch wenn die Brechung der einzelnen Teile hart und kantig ist. Jeweils vier Stäbe aus gegossenem Aluminium weiten sich zu einer amphora-artigen Hohlfigur, auf deren oberen Abschluss das scharfkantige Brett des Handlaufs aus stark geflammtem furniertem Olivenholz gesetzt ist. Die räumliche Präsenz dieses dominanten Geländers beginnt im Parterre des Atriums, wo die beiden ersten Berührungspunkte am Boden noch auf dem weissen Marmor ruhen, als ob das „Urtier“ Anlauf nehmen müsste, um den Aufstieg zu bewältigen. Im Atrium begleitet das Geländer horizontal, wie ausgeruht, alle Galerien um den offenen rechteckigen Luftraum, im Haupttreppenhaus folgt es in scharfen Knicken der geraden dreiläufigen Anlage. Der hart geschnittene Handlauf schmeichelt der an ihm entlang gleitenden Handinnenfläche nicht, er gibt sich eher sperrig. Das gegossene Aluminium wirkt nicht glatt oder geschmeidig, es wirkt roh und scheinbar unbearbeitet. Die Dominanz von weiten Winkeln erinnert an die skulpturalen Arbeiten im Umfeld der anthroposophischen Bewegung, genauer an gewisse Partien von Rudolf Steiners Goetheanum in Dornach.”

Ulrike Jehle-Schulte Strathaus

in ” Novartis Campus – Fabrikstrasse 6 – Peter Märkli, Schweizerisches Architekturmuseum,
Ulrike Jehle-Schulte Strathaus (Hg.), Merian Verlag, September 2006″